Mittwoch, 10. Oktober 2018

Diesel-Dussel

Der Deutschen liebstes Kind, das Auto, ist in Gefahr! Der Diesel soll an die Leine gelegt und aus den Innenstädten verbannt werden. Was ist nur aus dem Wahlspruch "Freie Fahrt für freie Bürger" geworden?
Aber halt, ist das wirklich so? Laut Plänen der Groko werden die CO2-sündigen Autohersteller eben nicht zur Verantwortung gezogen. Stattdessen wird erwogen, Kaufprämien für Neuwägen auszugeben, sprich Subventionen.
Das muss man sich mal vor Augen führen: Da wurde mit krimineller Energie der Konsument verarscht, doch statt dies zu sanktionieren, zumindest die Nachrüstung den Autoherstellern aufzuerlegen, sollen die noch belohnt werden. VW müsste nicht mal ein Jahr die Dividendenzahlungen zurückschrauben, um die Nachrüstungen zu bezahlen, aber selbst das ist wohl zu viel verlangt.
Statt über den Ausbau der ÖPNV und über neue Mobilitätskonzepte zu diskutieren, wollen wir mehr vom Falschen. Statt die vielen anderen CO2-Produzenten, allen voran die Fleischindustrie und Flug- und Schiffverkehr, international anzugehen, werden aktionistisch einzelne Straßen gesperrt, die außer weiteren Verdruss bei der Bevölkerung exakt gar nichts bringen.
Es gebe so viele Lösungsmöglichkeiten, aber stattdessen wird das dünnste Brett, der Bürger, gebohrt.

Mittwoch, 19. September 2018

10 Jahre freier Fall

Die Tage jährt sich der Beginn der Finanzkrise von 2008 zum zehnten Mal.
Long Story Short: Banken, die ihrer Verpflichtung zur gewissenhaften Prüfung von Kreditwürdigkeit nicht nachkamen und diese schlechten Kredite noch in komplizierte Finanzprodukte versteckten, wurden nicht etwa bestraft oder mit heftigen Auflagen versehen. Nein, sie bekamen einen Bailout, weil sie zu groß waren und mit ihrem Sturz mutmaßlich unser Wirtschaftssystem in den Abgrund gerissen hätten. Statt also die privaten Schuldner, deren Existenzen zerstört wurden, zu entlasten, wurden regelrecht kriminell handelnde Organisationen gestützt.
Zehn Jahre später sitzen Leute von Goldman Sachs in den wichtigsten Gremien, teilweise auf Präsidentenposten. Kaum ein Verantwortlicher von 2008 wurde zur Rechenschaft gezogen. An der Wallstreet wurde 2017 mit 31 Milliarden Dollar Boni Rekordsummen ausgeschüttet und Donald Trump hat den Dodd-Frank-Act aufgehoben, wodurch genau derselbe Scheiß wieder passieren kann und wird.
Wir rennen sehenden Auges in die nächste Finanzkrise und trotzdem wählen bei Prognosen die Leute zu 90% Parteien, die genau dieses System unterstützen oder zumindest tolerieren.
Es ist nicht zum aushalten...

Freitag, 31. August 2018

Krieg hat eine Lobby, Frieden nicht

Morgen ist Weltfriedenstag.
Zur Erinnerung:
- Es wird so viel für Militär ausgegeben wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Mit nur einem Bruchteil dieser Beträge könnte man Welthunger, Bildungsmisere und die schlimmsten Auswüchse der industriellen Umweltverschmutzung beseitigen.
- Deutschland hält an dem Absurd hohen 2%-Ziel der NATO fest. Wohlgemerkt geht es hier nicht um 2% des Bundeshaushaltes, sondern 2% des Bruttoinlandsproduktes.
Würde man das zum jetzigen Zeitpunkt umsetzen, würde unser Militärhaushalt ein Viertel (!) unseres Bundeshaushalts ausmachen.
- Statt die bestehenden Fuhrparks in Stand zu setzen und den Zuliefererbetrieben ihre Service-Verträge um die Ohren zu hauen, werden fleißig neue Schiffe, Flugzeuge und Waffen gekauft, die dann wieder nach wenigen Jahren "nicht einsatztauglich" sind. Geld hat die Bundeswehr genug, es wird nur in einem erschreckenden Maße verprasst. Man muss nur die Aufwände anderer (auch europäischer) Länder und deren stehendes Heer bzw. Material anschauen.
- Landesverteidigung kostet immer nur einen Bruchteil dessen, was eine Invasion inkl. Besetzung kosten würde. Man kann also den bösen Russen als Bedrohung so oft an die Wand malen, wie man will, das Land könnte sich einen Angriff gar nicht finanziell leisten.
- Aufrüstung löst schnell Teufelskreise aus: Umso mehr Waffen die Nachbarn haben, umso mehr Waffen will man selbst. Da Waffen allerdings keinen produktiven, lebensverbessernden Wert haben, profitieren von solchen Geschäften am Ende nur die Waffenproduzenten. während auf der anderen Seite des Laufs unendliches Leid entsteht.
Aber irgendwie raffen sich hierfür zuwenige auf, Frieden scheint nicht mehr cool zu sein. Kein Wunder, wenn man sich einschlägige Artikel von Welt bis zur Zeit anschaut. Krieg hat halt eine Lobby, Frieden nicht. Diese Lobby müssen wir sein!

Dienstag, 28. August 2018

Chemnitz - Zwischen Kondolenz und Katastrophe

Dieses Wochenende ist einiges passiert in Chemnitz. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag wurde Daniel H. Opfer einer Messerattacke und erlag noch in derselben Nacht seinen Verletzungen. An dieser Stelle muss man den Angehörigen ganz viel Kraft wünschen und seine Kondolenz ausdrücken.
In den sozialen Medien ging es nämlich schon am Sonntag hoch her, sodass das Opfer zum Spielball politischer Interessen beider Seiten wurde. Das hat keinen Stil, der Mann wurde noch nicht einmal beigesetzt!
Dass dann aber noch zusätzlich der Spin gedreht wird, dass statt Kondolenz die "trauernden Demonstranten" am Sonntag und Montag verunglimpft wurden, ist eine ganz perfide und einseitige Deutung der Geschehnisse.
Ich war nicht vor Ort, aber die Videos und Bilder, die ich gesehen habe, vermittelten mir keinen Eindruck der Trauer und Anteilnahme. Wenn am Sonntag Männer durch Chemnitz rennen, auf Menschen mit anderer Hautfarbe losgehen und "für jeden toten Deutschen ein toter Ausländer" brüllen, dann sind das verfickt noch mal keine Demonstranten. Da will man lynchen, Angst streuen und "ein Zeichen setzen", egal ob es die Schuldigen trifft oder Menschen, die nur so ähnlich aussehen.
Statt also die Totenruhe zu respektieren, haut sich die Bevölkerung gegenseitig in die Pfanne, sieht die jeweils andere Seite als Barbaren und die Gräben vertiefen sich noch weiter.
Am Ende freut das nur diejenigen, die international an den Schalthebeln sitzen, denn denen nützt dieser Kleinkrieg, wenn der kleine Mann auf den noch kleineren Mann haut.
Lasst euch nicht so manipulieren, man führt euch nur Lösungen für Symptome vor, nicht für die Ursachen!
Aber wenn wir die Ursachen angehen wollen, können wir uns nicht ständig so auseinanderdividieren lassen!
#Aufstehen

Donnerstag, 23. August 2018

Eine Kleine Geschichte - Die Namen ändern sich, das Problem bleibt

Eine kleine Anekdote aus dem Annaberg des 16. Jahrhunderts. Dank des Silberbergbaus wurde Annaberg eine aufblühende Stadt. Nur das Pfennigbrot bereitete Sorgen: Für einen Pfennig gab es Brot, das je nach Kornpreis mal größer, mal kleiner war. Natürlich gab es da auch Bäcker, die, wie heutige Tankstellen, bei billigen Korn weniger Preisnachlass gaben als möglich gewesen wäre.
So hat man mit Adam Ries´ Hilfe das "Gerechent Büchlein" aufgestellt, damit transparent wurde, aus wie viel Korn Müller und Bäcker wie viel Brot machen kann.
So wurde mit viel Aufwand und langer Beratung der Betrug des kleinen Mannes am kleinen Mann unterbunden.
Dem "Fürkauf" allerdings, das Leerkaufen ganzer Märkte durch reiche Händler, nur um dank des neu gewonnenen Monopols die Preise anziehen zu können, dem wurde kein Riegel vorgeschoben, obwohl es das weitaus ärgere Problem war.
Patrizier (Wirtschaft) und Stadträte (Politik) haben also schon damals geklüngelt und dem kleinen Mann lieber den anderen kleinen Mann als Sündenbock präsentiert.
Offensichtlich funktioniert das heute noch einfacher als damals, wenn ich mir so anschaue, wer sich in den (a)sozialen Medien gegenseitig anpisst.
Also wenn ihr mir ein Geschenk zum Geburtstag machen wollt: Pisst nicht die Leute an, die es genauso schlecht haben wie ihr. Pisst am besten gar keine Leute an. Überlegt euch lieber, wie es denn besser sein könnte. Überlegt euch lieber, was uns alles verbindet. 

Mittwoch, 18. Januar 2017

Postpräsidiale Absolution

Obama hat es getan! Er hat Chelsea Manning, die für die Collateral Damage-Leaks verantwortliche Whistleblowerin, wenige Tage vor dem Ende seiner Amtszeit begnadigt. Nach über 6 Jahren unmenschlichster Einzelhaft wird sie wohl ab Mai 2017 in Freiheit gelassen. Ob sie danach jemals wieder ein normales Leben führen kann ist quasi undenkbar. Nicht nur aufgrund des neuen Status als Person des öffentlichen Lebens. Eine so lange Zeit in Einzelhaft ohne Hoffnung auf Freiheit muss Spuren hinterlassen. Snowden hatte da mehr Glück bzw. konnte aus dem Umgang mit Manning lernen.

Nun sagen schon manche, würde Obama jetzt Snowden begnadigen, hätte er seinen Friedensnobelpreis verdient.

Nein, das hat er nicht!

Wie viele Todesurteile, ausgeführt von Drohnen im Nahen und Mittleren Osten, hat er unterschrieben? Was hat er gegen US-amerikanische Menschenrechtsverletzungen auf dem ganzen Globus unternommen? Unter seiner Ägide ist Da´esh groß geworden und der Kalte Krieg wieder aufgeflammt.

Nein, ein guter Abgang macht noch keine gute Präsidentschaft.

Das stört mich übrigens an der Verteidigung von Angela Merkel durch Linke. Ja, sie hat 2015 einmal in ihrer lange währenden Kanzlerschaft eine menschliche Entscheidung getroffen, den Flüchtigen in Europa Obhut zu bieten. Doch abseits davon, dass sie viel zu wenig unternommen hat, um das Land dafür mit Wohnungsbau, Bildungsinvestionen und Gesellschaftsvisionen zu wappnen, hat sie all die Jahre davor keinerlei Weitsicht bewiesen. Schon vorher kamen Tausende aus als den vergessenen und gebeutelten Ländern der Welt in der Hoffnung auf Rettung nach Europa. Die Südländer erkannten diesen Trend und wollten das Dublinsystem reformieren, doch Merkel blockierte und schädigte die europäische Solidarität.

Während der Eurokrise wurden viele Fehler gemacht, manche davon unabsehbar. Doch es wurde effektiv gar nichts unternommen, um die dafür verantwortlichen Zustände zu beseitigen. Stattdessen wurde mit Deutschlands neu gewonnenem Einfluss in der EU ein Sparkurs diktiert, der Brüning harmlos aussehen lässt. Brüning hatte 1930 die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in Deutschland durch einen harten Sparkurs noch verschärft. Wird einem in der Schule beigebracht, aber es erinnert sich wohl niemand. Ohne ihn hätte es nie einen Aufstieg der NSDAP gegeben.

Der Parallelsetzung mag unangenehm sein, aber Merkel hat nicht nur den Aufstieg der Rechtspopulisten in Deutschland, sondern in ganz Europa begünstigt. Zwar führten noch viele andere Faktoren zum jetzigen Zustand Europas und der EU hinzu, aber sie hat nichts unternommen, dieser Entwicklung effektiv gegenzuwirken.

Stattdessen wirft die EZB seit Jahren täglich zwei Milliarden Euro auf den Markt, was die Immobilienpreise explodieren lässt, in Griechenland erfrieren und im Mittelmeer ertrinken Menschen.

Beide, Obama und Merkel, haben die Erwartungen nicht erfüllt und konnten uns nicht transparent machen, was zu diesem Scheitern führte.

Deswegen wäre es unverantwortlich, all diese Verfehlungen bei der Laudatio auf ihren Abgang oder bei der Entscheidung zur Wiederwahl einfach zu vergessen. Andere erinnern sich, seien es Hinterbliebene eines Drohenopfers oder die von der Weltwirtschaft Abgehängten.

Samstag, 14. Januar 2017

Wer hat Angst vor Fake News?

Die Elbphilharmonie wurde diese Woche eröffnet und besonders die öffentlich-rechtlichen Sender fielen durch überschwängliche Berichterstattung auf. Das Bauwerk hat definitiv eine gewisse Aufmerksamkeit verdient, nicht nur als kulturelles Aushängeschild, sondern als Sinnbild für überteuerte staatliche Großprojekte. Das Kritik an Letzterem nun überraschend kurz kommt, lässt sich wohl auch auf die jüngst initiierte Imagekampagne zurückführen. 

Es hat dann ein Gschmäckle, wenn man sich vor Augen führt, dass sich unsere Meinungsmacher kaufen lassen. In einer Welt, in der Geld ein universeller Maßstab ist, sollte das nicht überraschen. Aber genau das senkt das Vertrauen in die Institution der Medien. Sie konnten nie ein Wahrheitsgarant sein, das liegt in der Sache, aber sie sollten immer versuchen, einen objektiven Standpunkt wiederzugeben. 
Diese Objektivität, die es so wohl auch nie gab, wird heute, in Zeiten der unbegrenzten Quellen des Internets, jählich vermisst. Blogs jeglicher Couleur bekommen Zulauf. Während die Einen die Medien überwachen und ein Korrektiv darstellen, führen Andere dies Ad Absurdum, indem sie Gerüchte und Fehlschlüsse in die Welt posaunen. 

Letzeres wird häufiger gehört und bleibt hängen, so unsinnig es auch ist. Das war wohl auch ein kleiner Baustein für Trumps Sieg und ist entsprechend nicht zu unterschätzen. Aber seit Wochen wird nun über dieses Thema gestolpert und geschwätzt, als wäre es eine Gefahr für unsere Demokratie.
Ja, das Resultat ist tatsächlich eine Gefahr für unsere Demokratie: 
Die Unsicherheit der Leute, die sprichwörtlich an gar nichts mehr glauben. 
Die Wut der Leute, die überall Fehler und Ungerechtigkeiten sehen, aber sich machtlos fühlen. 
Und die Ahnungslosigkeit der Leute, denen niemand erklärt, warum unsere Welt so tickt. 

Und die Leute holen sich Sicherheit bei Ideologien und fertigen Glaubensmustern.
Und die Leute lassen ihre Wut an denen aus, die nach ihrem Glaubensmuster Schuld an den Ungerechtigkeiten sind. 
Und die Leute versuchen ihre Ahnungslosigkeit mit einem überschaubaren Weltbild zu kaschieren. 

Die Weltbildmaler wiederum profitieren von der Angst, die sie mitgeben können, denn eine ängstliche Herde drängt sich näher zusammen und ist leichter zu steuern. Diese Angst wurde schon immer ausgenutzt, 
bete den Gottkönig an, sonst fällt deine Ernte aus, 
geh in die Kirche, sonst kommst du in die Hölle, 
lass dich überwachen, sonst stirbst du an Terror.

Aber den Menschen wurde nie beigebracht, zu hinterfragen und Informationen abzuwägen. Ideale der Aufklärung liegen verstaubt auf den Regalen der humboldtschen Erziehung. Doch statt zu versuchen, eine neue Epoche der Aufklärung auszurufen und dem Menschen Verstand zuzusprechen, debattieren wir über Fake News, ohne zwischen Propaganda, Zeitungsenten und Boulevardpresse zu unterscheiden. 
Während die Einen Lügenpresse schreien, rufen die Anderen nach einem Wahrheitsministerium. Während sich die Menschen in ihren Filterblasen verlieren und trennscharfe Kontraste setzen, leben manche in dem Glauben, Wahrheit ließe sich festlegen. 
Während du über Fake News ließt, rollen amerikanische Panzer nach Polen, sterben Menschen in Jemen und verhungert einer der letzten Eisbären am Nordpol. 

Es gibt auf der Welt viel mehr Probleme, gegen die wir derzeit absolut nichts unternehmen und streiten uns stattdessen über Banalitäten. Wir denken keine fünf Jahre voraus und wundern uns jedes Mal aufs Neue, in welch erbärmlichen Zustand die Welt doch ist. Und weil wir nicht mal ahnen, wie schlecht unsere Lebensweise ist, können wir uns nicht vorstellen, daran etwas zu ändern. So kommt uns jede revolutionäre Idee einfach weltfremd vor. 

Ideen können keine Fake News sein, aber über Ideen debattieren wir ja nicht mehr. 

Vielleicht sollte man darüber häufiger berichten.