Samstag, 3. Januar 2026

Wo soll KI noch hinführen

Es ist schon bemerkenswert: Künstliche Intelligenz wird dafür sorgen, dass wir uns noch häufiger über nichtige Themen aufregen, über Virtuelles, über Aussagen und Aktionen, die so nie passiert sind. Unsere Aufmerksamkeit wird gebunden, während parallel unsere Macht- und Eigentumsverhältnisse neu geordnet werden. 

Wir verlieren erst unsere Arbeitskraft, indem viel Denkarbeit, Mustererkennung und Verwaltung von Maschinen erledigt wird, bald darauf die Kaufkraft, weil wir ja nicht mehr bezahlt werden müssen. Im aktuellen sozialkalten Klima kaum vorstellbar, aber irgendeine Art arbeitsunabhängiger Grundeinkommen wird es geben müssen, solange wir keine Konsumgüter an Roboter verkaufen können. 

Schließlich war die Verfügbarkeit von Konsumgütern einmal das, was uns den Kapitalismus schmackhaft machen konnte: mehr Genuss, mehr Müßiggang, mehr Komfort. Nur muss diese hedonistische Seite durch calvinistische Arbeitsmoral im Zaum gehalten werden. Wo kämen wir hin, wenn die Leute entweder nur Arbeiten oder nur Konsumieren würden. 

Natürlich gibt es diese Extreme nie in Reinform, aber die Diskussionen aus dem konservativen Spektrum klingen wieder sehr nach Mehrarbeit statt 4-Tagewoche. Aber statt uns auf Produktivitätssteigerung konzentrieren wir uns auf Rendite, statt solidarisch die Früchte guter Arbeit zu verteilen, lassen wir deren Anhäufung zu, bis sie unter ihrem Eigengewicht verfaulen. 

Also wo soll die Reise hingehen? Wir kriegen den KI-Dschinni nicht wieder los, unabhängig davon, wer ihn kontrolliert, wird er die Welt verändern. Aber wir haben immer noch die Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen, wie diese Welt aussehen wird. Am Ende geht es allen am besten, wenn es Keinem schlecht geht, lasst euch da nichts anderes erzählen! Zum Einen führen die Alternativen zu Streit, Konflikt und Leiden, zum Anderen ist es wirklich nicht schwer, es in unserer reichen Gesellschaft allen gut gehen zu lassen.  

Dienstag, 20. Mai 2025

Meta-User als KI-Futter

Kennt ihr noch diese Texte auf Facebook, die man kopieren und posten (nicht teilen!) sollte, um damit die AGBs abzulehnen und die Rechte an seinen Texten und Bildern zu behalten? Tatsächlich sehe ich solche Texte mit gewisser Regelmäßigkeit bis heute und muss mich wundern, wie Leute sich das Prinzip vorstellen. Halten die auch im Parkverbot, steigen aus und rufen, dass sie jeglichen Bußgeldbescheid nicht akzeptieren?

Nun schlägt die Stunde derer, die ihre Daten zumindest zu einem gewissen Grad vor Meta schützen wollen. Denn bis zum 26.05. muss man aktiv der Nutzung seiner öffentlichen Beiträge auf Facebook und Instagram widersprechen, damit diese nicht für das Training von KIs verwendet werden.
Warum man das tun sollte? So praktisch KI in gewissen Anwendungsfällen sein mag, so eindeutig ist es, was Konzerne langfristig damit erreichen wollen: Die Entkopplung von Fähigkeit, Wissen und Arbeitskraft. Lohnkosten schmälern den Profit. Wenn man nun Spezialisten zuverlässig durch KIs austauschen kann, profitieren davon langfristig die Shareholder. 

Aber es hört nicht bei der Arbeit auf. Zuckerberg macht kein Geheimnis daraus, dass er auch an die sozialen Beziehungen will. Der Einsamkeitsepidemie möchte er mit Chatbots begegnen. Doch damit würde das Individuum seine Einsamkeit wohl nur gegen eine weitere Abhängigkeit von einem Techkonzern eintauschen. 

Nur wäre diese Art von parasozialer Abhängigkeit in allen erdenklichen Dimensionen ausnutzbar. Wir haben den Fehler schon einmal gemacht und die Macht der sozialen Medien in die Hände weniger Oligarchen gelegt. Bei KI ist es wieder so weit, wir sollten es zumindest nicht zu einfach machen!

Samstag, 22. Februar 2025

Bundestagswahl 2025

Morgen ist ja Bundestagswahl, falls das jemand noch nicht mitbekommen hat.
Ich hätte da nur eine Bitte an euch: Wählt Parteien, die euer Leben besser machen könnten, nicht das Leben anderer schlechter. Wählt nicht mit dem Gedanken, dass man in einer Demokratie eh nichts bewegt, sondern dass unsere gesellschaftlichen Mühlen einfach langsamer mahlen. Und dass das nichts Schlechtes sein muss.
Und bitte, bitte ignoriert die Warnungen von Experten und Instituten nicht. Wir sind an einem Punkt, wo man den Leuten das Wahlprogramm ihrer Lieblingspartei vorlesen kann und es trotzdem als Fakenews abgetan wird. Wenn jemand davon spricht, dass er "Diktator am ersten Tag" sein will, glaubt ihm! Wenn jemand von "wohltemperierter Grausamkeit" spricht, glaubt ihm! Aber glaubt nicht, dass dieser Diktator in eurem Sinne handelt oder dass ihr von dieser Grausamkeit verschont bleibt.

Wählt nicht, als wärt ihr nächstes Jahr Millionär, sondern wählt, als wärt ihr nächstes Jahr behindert und arbeitslos. Denn eine Gesellschaft baut auf Solidarität auf und wird dadurch lebenswert. Ellbogengesellschaft haben wir schon genug.

Samstag, 1. Februar 2025

Shitshow

Bekommt ihr das mit, was gerade in den USA passiert? 

Die Leute hatten Trump gewählt, weil ihnen Transmenschen zuviele Rechte bekamen, die Eier zu teuer wurden und sie das Lachen von Kamala Harris nicht mochten.
Jetzt stürzt alle paar Tage ein Flugzeug ab, die Eier kosten dreimal soviel und vor allem in den ärmeren Schichten ist niemanden mehr zu lachen, weil die Lebensgrundlage entzogen wurde. 

Es ist vor allem deswegen bitter, weil unzählige Experten davor gewarnt haben, dass Trump diesmal ernst machen wird und nicht die Mittellosen, sondern die Millionäre von seinen Maßnahmen profitieren werden. 

Es zeigt halt, dass, bei aller Kritik an unseren demokratischen Systemen, es doch einen großen Unterschied macht, wen man wählt. Nur müssten wir uns gemeinsam auf die wichtigen, aber komplizierten Herausforderungen stürzen. Stattdessen reden wir seit Jahren über Migration, wo mit einfachen Maßnahmen vermeintlich viel bewegt werden kann. Dass sich damit allerdings die zugrundeliegenden Probleme nicht lösen, im Gegenteil sogar verschärfen können, will man dann natürlich nicht hören.

Mich belastet diese Verblendung. Den Leuten wird Angst vor einem "Linksruck" gemacht, als ob die Chancen des Durchschnittsbürger höher wären, Millionär statt arbeitsunfähig zu werden. Dabei bringt die CDU inzwischen Gesetze ein, die der AfD noch vor 5 Jahren zu krass gewesen wären. Und während wir im klein-klein über einzelstaatliche Lösungen streiten, können wir gerade im Eiltempo erleben, wie sich die Macht von Demokratien hin zu Konzernen verschiebt.

Ich will einfach nicht, dass es den Leuten hier in wenigen Monaten wie den Trumpwählern jetzt geht, denn von einem "Wir haben es euch gesagt" kann sich auch niemand ernähren. Falls diesen Spruch noch jemand zu hören bekommt.

Donnerstag, 26. September 2024

Jede Seele zählt

Viel zu oft habe ich im Internet gelesen, dass man den Kontakt zu Bekannten oder Familienmitgliedern abbrechen soll, wenn diese einem abwegigen Weltbild verfallen sind. 

Während ich das bei chronisch toxischen Verhalten aus Selbstschutzsicht gut verstehen kann, bin ich jedes Mal irritiert, wenn es um eine andere politische Meinung geht. Wie soll die vermeintlich fehlgeleitete Person denn wieder zur Besinnung kommen, wenn sich alle klardenkenden Menschen von ihr abwenden sollen? Dann ist sie doch am Ende erst Recht von Leuten mit abwegigen Vorstellungen umgeben. 

Beispiel Verschwörungstheorien: So anstrengend es sein kann, mit jemanden zu diskutieren, dessen Weltbild davon geprägt ist, dass eine klandestine Elite über jedes Ereignis auf der Welt Einfluss hat, so sollte es doch nicht schwer fallen, regelmäßig entsprechende Gegenbeispiele zu finden, um das Weltbild ins Wanken und die betroffene Person wieder zurück zu einer reflektierteren Sicht auf die Welt zu bringen.

Das kostet Energie und ich verstehe jeden, der derartigen Herausforderungen aus dem Weg geht. Aber gerade bei nahestehenden Personen sollte man doch nicht leichtfertig aufgeben. Ich habe noch nie von einer Sektenberatung gehört, dass man es einfach lassen und den geliebten Menschen von dannen ziehen lassen soll. So muss man sich aber den Umgang mit Verschwörungsgläubigen vorstellen: Deren Wahrheiten sind darauf aufgebaut, glaubhafte, allgemeingültige Instanzen zu diskreditieren, damit das verschwurbelte Weltbild auf fruchtbaren Boden trifft.

Ich behaupte, ein 100% gefestigtes und unumstößliches Weltbild ist die absolute Ausnahme. Mit den richtigen Fragen können immer Zweifel gestreut werden, um den Horizont wieder potenziell zu erweitern. Man muss nicht am Ende der gleichen Meinung sein, aber man sollte wenigstens wieder auf einer gemeinsamen Realität argumentieren können.

Donnerstag, 29. August 2024

Die Freiheit der Anderen

Wenn man hört, jemand sei libertär, hat man vielleicht schnell das Bild eines Kämpfers für die Freiheit vor Augen. Schließlich kommt libertär von Liberté, also Freiheit.

Generell wird derzeit viel über Freiheit gesprochen. Das ging mit Corona los und zieht sich bis heute um alle Diskussionen um gesellschaftlichen Konsens. Seien es autofreie Städte, Genderregeln oder CO2-Grenzen.

So wichtig das Konzept der Freiheit ist, wird gerne vergessen, dass diese liberale Idee immer auch die Freiheit des Anderen im Blick behielt. Schließlich darf in einer funktionierenden Gesellschaft niemand die Freiheit des Anderen mit seiner eigenen Freiheitsausübung einschränken. Und so können auch vermeintliche Einschränkungen mehr Freiheit für Andere bedeuten:

Autofreie Städte können benachteiligten Fußgängern und Fahrradfahrern die Nutzung von mehr städtischer Fläche ermöglichen.

Genderregeln können Menschen die Möglichkeit geben, inklusiv zu kommunizieren.

CO2-Grenzen können nachfolgenden Generationen mehr Spielraum für den Umgang mit unserer Atmosphäre einräumen. 

Es gibt genug Beispiele, wo Freiheit ausbalanciert werden muss, um für möglichst viele Menschen die Möglichkeit zur Nutzung von Freiheiten zu schaffen. Das gilt nicht nur auf der zwischenmenschlichen Ebene, sondern noch mehr auf der institutionellen. Staaten sorgen nicht nur dafür, dass Regeln zur Wahrung der Freiheit eingehalten werden, sie haben auch eine Verbindlichkeit gegenüber ihren eigenen Regeln, Stichwort Rechtsstaat. 

Libertäre stören sich aber an diesen Regeln, weil diese ja auch wieder Freiheit einschränkt. Paradoxerweise führen aber viele ihrer Vorstellungen dazu, dass es am Ende weniger Freiheiten gibt. Wenn es keine Verkehrsregeln gäbe, könnte man nicht mit hoher Geschwindigkeit über die Autobahn brettern, ohne binnen kurzer Zeit in einen Unfall zu geraten. Wenn man Banken nicht mehr kontrolliert, hat am Ende niemand mehr die Gewissheit, dass das Geld noch seinen Wert behält oder man aus einem Kredit heraus nicht als Schuldsklave endet. 

Eine libertäre Gesellschaft ist am Ende eine Gesellschaft der Raubritter und Leibeigenen. Wer in der alten Welt zu viel Macht kam, kann sich dann jede Freiheit nehmen, andere unter ihren Willen zu knechten. Irgendwie das Gegenteil von Freiheit.

Woher kommt dieser Glaube? Dass die Tüchtigsten auch automatisch das Beste für alle in der Gesellschaft hervorbringen würden? Dass die Reichsten und damit Mächtigsten einer Gesellschaft ja die Tüchtigsten sein müssen? Der Weg des geringsten Widerstandes, weil wir uns dann politische Diskussionen sparen können? Autokratischer Charakter? 

Oder findet man Kapitalismus einfach so geil, weil man auf der Sonnenseite des Lebens steht? Aber dann ignoriert man, dass immer jemand über einem steht, dem man ausgeliefert ist. Am Ende fehlt der vermittelnde Intermediär und es ist ein jeder gegen jeden. Das kann doch unmöglich deren Wunschvorstellung sein. 

Aber dieses Mindset ist gar nicht so selten. Vor allem in der Kryptoszene scheint dieses Denken sehr verbreitet zu sein, dabei hatten viele einfach Glück, zur richtigen Zeit die richtige Wette abgeschlossen zu haben. Dabei ist es naiv zu glauben, dass diese Glücksritter in einer Gesellschaft, die die nötige Infrastruktur nicht mehr bereitstellt, ihren Reichtum bewahren, geschweige denn genießen könnten. 

Darum kann ich auch niemanden mehr ernst nehmen, der unironisch von Steuern als Raub spricht. Dass bestimmte Arten oder Höhen von Steuern diskutabel sind, keine Frage, aber unser Gesellschaftsvertrag ist eine Errungenschaft, den selbst die Reichsten nicht missen wollen werden.

Montag, 5. August 2024

Vermögenssteuer als Lackmustest

Findet ihr den Vorschlag der brasilianischen Regierung zur Besteuerung von Superreichen auch so spannend? Oder habt ihr etwa noch nichts davon gehört? 

Brasilien hat bei den G20 den Vorschlag eingereicht, eine globale Steuer von 2% auf das Vermögen von Superreichen zu legen. Die Idee ist auch naheliegend. Auf nationaler Ebene reden sich die Regierungen immer damit raus, dass eine Vermögenssteuer nur zur Kapitalflucht führen würde. Abseits davon, dass es auch dagegen, wenn auch nicht sonderlich liberale, Maßnahmen gäbe, zeigt das ja, warum es einen internationalen Rahmen für Maßnahmen wie eine Vermögenssteuer braucht.
Schließlich bezahlt Elon Musk nach Berechnungen von Oxfam 3,27%, Jeff Bezos sogar unter einem Prozent Steuern. Dass das weit weniger ist als deren Angestellte zahlen müssen, kann sich wohl jeder denken. Ermöglicht wird das durch ein dichtes Netz an Briefkastenfirmen und professioneller Steuervermeidung, unterstützt durch eine ganze Industrie von Anwälten und Banken. 

Hinzukommt, dass es bei Milliardären eine jährliche Steuer von 12,8% bräuchte, damit deren Vermögen konstant bliebe. Insofern wären die vorgeschlagenen 2% ein fast symbolischer Betrag für die reichsten der Reichen, könnte allerdings die nicht unbedeutende Summe von 250 Milliarden Dollar einbringen. 

Bisher haben aber nur Südafrika, Spanien und auch zu meiner Überraschung Deutschland Unterstützung dafür angezeigt. Die USA in Vertretung von Janet Yellen haben aber bereits kommuniziert, dass sie solch eine Steuer für unnötig halten. Dabei gäbe es eine überwältigende Mehrheit für derartige Maßnahmen in der Bevölkerung. 

Es wäre auch eine der wenigen Möglichkeiten, die Auswirkungen einer Plutokratie einzudämmen. Denn, und hier sind sich wohl alle einig, Reiche haben einfach zu viel Einfluss auf unsere Gesetzgebung. 

Egal wie so eine globale Vermögenssteuer am Ende realisiert und umgesetzt würde, wahrscheinlich sind wir uns alle einig, dass eine derartige Maßnahme begrüßenswert und gerechtfertigt wäre. Entsprechend wäre das Abstimmverhalten der Regierungen ein Lackmustest darüber, ob die Interessen von 0.00004% oder der gesamten restliche Menschheit vertreten werden.  


Weiterführende Quelle:
https://www.theguardian.com/commentisfree/article/2024/jul/31/brazil-global-tax-billionaires-super-rich